Die Morgan Motor Company ist ein britischer Automobilhersteller für Sportwagen. Bekannt sind ihre Fahrzeuge für die traditionelle handwerkliche Fertigungstechnik. Die klassischen Modelle werden bis heute mit hölzernen Aufbauten aus Esche gefertigt. Die sehr leichten und teils sehr leistungsstarken Fahrzeuge haben weltweit eine grosse Fangemeinde.

Geschichte
 
Das Unternehmen wurde 1909 von Harry Frederick Stanley Morgan (* 1881, † 1959) in Malvern Link in der Grafschaft Worcestershire, West Midlands, gegründet. Bis heute ist das Unternehmen in privater Hand. Nach dem Tod von H.F.S. Morgan übernahm sein Sohn Peter Morgan (* 1919, † 2003) die Geschäftsführung. Dessen Sohn Charles Morgan leitete die Geschicke der Firma bis in das Jahr 2013. Heute fertigt die Morgan Motor Company mit etwa 200 Mitarbeitern rund 1300 Fahrzeuge pro Jahr. Es gibt ein Besucherzentrum und die Möglichkeit eines geführten Produktionsrundganges.
Zwischen dem 24. Juli und dem 2. August 2009 feierte die Morgan Motor Company ihr hundertjähriges Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen in Malvern Link und Cheltenham.

 

Die Ära der dreirädrigen Fahrzeuge

Das Erste von H.F.S. Morgan gebaute Fahrzeug war ein simpler, einsitziger, dreirädriger „Runabout“ mit einem vorne quer eingebauten 2-Zylinder Motorradmotor von Peugeot und einem angetriebenen Hinterrad. Mit seiner stabilen Konstruktion, dem geringen Gewicht und der vorderen Einzelradaufhängung fand das Fahrzeug sofort Beachtung. Die zweisitzige Variante wurde der erste kommerzielle Erfolg der Morgan Motor Company. Zudem profitierten die dreirädrigen Fahrzeuge in Grossbritannien von der günstigen Besteuerung als Motorräder.

H.F.S. Morgan konzentrierte sich von Anfang an auf die Weiterentwicklung der Konstruktion der Fahrzeuge und kaufte Motoren, Getriebe und andere technische Komponenten zu. So entstanden eine Vielzahl von Zwei- und Viersitzern mit luft- oder wassergekühlten 2-Zylinder Motoren von Herstellern wie JAP, Matchless oder Anzani.

1933 wurde mit der Einführung der „F Series“ erstmals ein 4-Zylinder Automobilmotor - von Ford - verbaut und das Chassis erhielt eine geschlossene Motorhaube mit dem bis heute charakteristischen Frontkühler.
Erst 1952 wurde die Produktion der dreirädrigen Fahrzeuge endgültig eingestellt.

Wesentlich zum kommerziellen Erfolg der Fahrzeuge trugen die vielen Siege und Rekorde bei Rennen und den damals beliebten „Trials“ und „Hill Climbs“ bei. 1928 erreichte ein speziell aufgebauter „Super Sports“ auf der Rennstrecke von Brooklands eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h.

Modell 4 / 4 (zunächst 4-4)

Mit dem Auslaufen der Steuerprivilegien für dreirädrige Fahrzeuge und der wachsenden Konkurrenz durch preiswerte Automobile, wie dem Austin 7, sanken die Absatzzahlen der Motor Morgan Company Ende der 30er Jahren bedenklich.

Auf der Basis der „F Series“ wurden 1936 die ersten Modelle des Typs „4-4“ (4 Zylinder – 4 Räder) hergestellt. Auch bei den vierrädrigen Fahrzeugen blieb man der bewährten Strategie treu: die Konstruktion wird behutsam modernisiert - um die sich ändernden, gesetzlichen Zulassungsbestimmungen zu erfüllen -, Motoren und Getriebe werden zugekauft. Seit 2009 ist der aktuelle, puristische „Morgan 4/4 Sport“ mit einem 1,6 Liter Motor von Ford im Angebot.

Mit über 80 Jahren hält der Morgan 4/4 den Rekord für das Automobil mit der längsten Produktionsgeschichte in der Geschichte der Automobilindustrie.

Modell Plus 4 (auch +4)

Dem Wunsch nach mehr Leistung trug ab 1950 das Modell +4 Rechnung. Bei diesem Fahrzeug kamen bis 1969 stärkere Motoren zum Einsatz, die auch im Triumph TR2, TR3 und TR4A verbaut wurden. Von 1985 bis 2000 folgten Modellreihen mit Fiat und Rover Motoren. Seit 2004 wird der aktuelle Morgan +4 mit einem 2 Liter Motor von Ford hergestellt.

Auch bei den vierrädrigen Fahrzeugen trugen die sportlichen Erfolge zum Renommee der Marke bei. Grossen Anteil daran hatte die Firma Lawrence Tune, die „Plus 4 Super Sports“ Modelle mit für Rennen optimierten TR3 und TR4 Motoren ausrüstete. 1962 gewann ein Plus 4 Super Sports mit dem Kennzeichen TOK 258 das legendäre 24 Stunden Rennen von Le Mans in seiner Klasse.

Drophead Coupé / Viersitzer

Neben dem klassischen Zweisitzer wurden zeitweise auch sogenannte „Drophead Coupé“ und Viersitzer als Karosserievarianten des Morgan 4/4 und Morgan +4 angeboten. Das Drophead Coupé stellt eine eigenständige Karosserieform dar, mit fest montiertem, klappbaren Verdeck und Türen mit festen Seitenscheiben.

Modell Plus 4 Plus (auch +4+)

Das 1963 vorgestellte Modell +4+ mit einer modernen, geschlossenen Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff war ein mutiger Entwurf, dem leider kein kommerzieller Erfolg beschieden war. Nach nur 26 Fahrzeugen wurde die Produktion bereits 1967 wieder eingestellt.

Modell Plus 8 (auch +8)

Mit dem Modell Plus 8 erschien 1968 das Fahrzeug, welches bis heute den Status einer Ikone hat. Angetrieben von einem Achtzylinder-V-Motor von Rover, mit 3,5 Liter Hubraum und 120 kW (160 PS) Leistung, bei einem Fahrzeuggewicht von nur 935 kg (Leergewicht) ergaben sich für die damalige Zeit exzellente Fahrleistungen.
Der Beliebtheit und andauernden Popularität des Plus 8 ist es zu verdanken, dass die Morgan Motor Company als unabhängiger Kleinserienhersteller überleben konnte. Rund 6000 dieser Fahrzeuge wurde hergestellt.
In den 36 Jahren seiner Produktion (bis 2004) wurde der Plus 8 mit verschiedenen Motor-Varianten angeboten. Die Abkündigung des Motors durch Rover bedeutet das Aus für den Plus 8. Bereits vorher hatten strengere Emissions- und Sicherheitsvorschriften im wichtigen amerikanischen Markt die Absatzzahlen spürbar einbrechen lassen.

Modell Roadster

Als Nachfolger des Plus 8 wurde 2004 der Roadster, mit einem Sechszylinder-V-Motor von Ford, und 3 Liter Hubraum vorgestellt. Das aktuelle Modell wird von einem 3,7 Liter Sechszylinder mit 209 KW (280 PS) angetrieben. Ab 2006 war der Morgan Roadster zeitweise auch als Viersitzer erhältlich.

Der Sprung in die Moderne

Modell Aero 8

Im Jahr 2000 stellte die Morgan Motor Company – 37 Jahre nach dem Plus 4 Plus – erstmals wieder ein komplett neues Fahrzeugdesign vor: den Aero 8. Der Aero 8 war der erste Morgan mit einem Chassis und Rahmen aus Aluminium, angetrieben von einem 4,4 Liter Achtzylinder-V-Motor von BMW.
Der Aero 8 kostete weit mehr als die „klassischen“ Modelle und erschloss der Motor Morgan Company ein neues, anspruchsvolles Kundensegment. Dabei war die moderne Linienführung mit den „schielenden“ Scheinwerfern der ersten Serie umstritten. Verschiedene Überarbeitungen (Airbags, ABS) und die wahlweise erhältliche ZF-Sechsstufenautomatik trugen zum späteren Erfolg bei. Bis 2010 wurde der Aero 8 in vier Serien in einer Stückzahl von rund 700 Fahrzeugen gebaut. In den Jahren 2015 bis 2017 folgte eine neue, 5te Serie des Aero 8.

Modelle AeroMax / Aero SuperSports / Aero Coupé

Ursprünglich nur als Einzelstück für den Schweizer Bankier Prinz Eric Sturdza gebaut, wurde 2008 eine auf 100 Exemplare begrenzte Edition des Aero 8 als Coupé unter der Modellbezeichnung „AeroMax“ angeboten.
Das eigenständige Design mit einem Fliessheck und längs geteiltem Heckfenster, mit aufklappbaren, dreieckigen Glashälften, wurde von dem jungen Designer Matthew Humphries entworfen.
Als Karosserievariante des AeroMax wurde 2009 der Aero SuperSports mit abnehmbaren Targadach in kleiner Stückzahl hergestellt. 2011 folgte mit dem Aero Coupé eine limitierte Variante des Aero SuperSports mit festem Dach.

Die Wiedergeburt des Dreirades

2011 stellte die Morgan Motor Company auf dem AutoSalon Genf den Prototypen der modernen Interpretation ihrer legendären „3 Wheeler“ vor: ein - mit weniger als 600 kg Leergewicht - leichtes, offenes, zweisitziges Fahrzeug mit vorne quer eingebauten 2-Zylinder Motorradmotor von S&S mit 86 KW (115 PS).
Der neue 3-Wheeler wurde aus dem Stand heraus ein grosser Erfolg, mit mehreren Hundert Vorbestellungen bereits auf der Messe. Bis heute erfreut sich der 3-Wheeler grosser Beliebtheit und wird auch in limitierten Editionen angeboten.

Die Wiedergeburt des Plus 8

2012 lancierte die Motor Morgan Company eine neue Generation des Plus 8 mit dem bewährten 4,7 Liter Achtzylinder-V-Motor von BMW. Das Chassis und der Rahmen aus Aluminium sind einer Weiterentwicklung aus dem Aero 8, während das Fahrzeugdesign die klassischen Linien des Original Plus 8 aufgreift.

2018 wurde auf dem AutoSalon Genf eine auf 50 Exemplare limitierte „Plus 8 50th Anniversary Edition“ vorgestellt. Es werden die letzten Fahrzeuge des aktuellen Plus 8 sein, da der Motor von BMW nicht mehr zur Verfügung steht.

Die Zukunft

Wie andere Automobilhersteller auch muss sich die Morgan Motor Company mit den weltweit immer strenger werdenden Umweltschutzrichtlinien und dem Trend zu alternativen Antriebstechniken auseinandersetzen.

Bereits 2012 stellte die Morgan Motor Company auf dem AutoSalon Genf mit dem „Plus E“ eine erste Studie eines elektrisch angetriebenen Modells auf Basis des Plus 4 vor.

2016 folgte dann mit „EV3“ eine Studie eines elektrisch angetriebenen 3-Wheeler. Im Dezember 2017 kündigte die Morgan Motor Company eine Partnerschaft mit Frazer-Nash Energy Systems an um den EV3 in 2018 bis zur Marktreife zu bringen.

Zusammenstellung diverser Quellen von Wilhelm Staudt, März 2018

Webseite der Morgan Motor Company,
https://www.morgan-motor.co.uk/history/

verschiedene Wikipedia Einträge
https://de.wikipedia.org/wiki/Morgan_Motor